Sterne fotografieren über OWL??

von Gerhard Tegeler, 27. August 2019

Die Sterne, die Milchstraße und das Licht von dort sind viel älter als jedes Element der Natur hier auf der Erde – also warum nicht mal die Natur am Himmel fotografieren?

Gesagt, getan. Kamera, Objektiv, Fernauslöser und Stativ gepackt und los und schon sind tolle Aufnahmen im Kasten…? Weit gefehlt, denn der Teufel steckt im Detail.

Zunächst braucht man einen möglichst dunklen Ort zum Fotografieren, sonst zerstört die Lichtverschmutzung alle Fotos. Dann braucht man eine mondlose Nacht (also Neumond) ohne Wolken. Am 5. Mai trafen diese Voraussetzungen zu, so dass ich gegen 02:00 im Raum Lüdenhausen zur Fotosession war. 

Nach dem Ausladen und Aufbauen der Ausrüstung die Enttäuschung: ich konnte keine Milchstraße sehen und die Sterne waren auch nicht sehr zahlreich. Das wurde dann nach einigen Minuten besser, als sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Die nächste Erkenntnis – weißes Licht von Auto und Taschenlampe ist untauglich, es muß rotes sein, da dieses die Dunkeladaption der Augen nicht behindert.

Nun sah ich den Bogen der Milchstraße wie in einer App vorhergesagt. Jetzt musste ich die Kamera manuell auf „unendlich“ scharf stellen, da der Autofokus in der Dunkelheit nicht funktioniert. Das ist ziemlich schwierig, da dieser Punkt nicht am Anschlag des Objektivs liegt, aber es hat geklappt! 

Nun muß die richtige Belichtungszeit gefunden werden, damit die Sterne nicht zu Strichen werden – rd. 17 Sekunden sind nicht viel, also braucht man ein möglichst lichtstarkes Weitwinkelobjektiv. 

Weiterhin ist es vorteilhaft, die Kamera „blind“ bedienen zu können, denn jede Lichtquelle beim nachschauen stört. 

Zu guter Letzt habe ich dann noch ein Panorama aus 4 Fotos gemacht. Auch hier muß erst das Stativ in der Dunkelheit in Waage gebracht werden, danach können die Fotos mit einer ausreichenden Überlappung gemacht werden – im Dunklen sieht man aber nicht, wie weit man die Kamera dreht. Also auch hier nach Gefühl oder mit einem Panoramakopf mit Gradzahlen. 

Die gelbe Farbe auf meinen Fotos habe ich übrigens mit meinen Augen nicht sehen können – dies ist die Lichtverschmutzung, die die Kamera über die Langzeitbelichtung aufzeichnet!

Meine Erfahrung war, dass vor den Fotos in der Dunkelheit vieles in der Helligkeit ausprobiert und geübt werden muß, damit die Abläufe in der Nacht sicher beherrscht werden.

Es war ein traumhaftes Gefühl, in der dunklen Nacht bei sternenklarem Himmel einsam im Wald zu stehen und auf den grandiosen Himmel zu schauen. Ich habe hier vor lauter Adrenalin auch nicht die Temperatur von nur 1°C gespürt – erst im Bett merkte ich, dass ohne Wärmflasche nicht ans Schlafen zu denken war. Aber ich habe auch so noch lange wach gelegen und über diesen grandiosen Fotoausflug nachgedacht. Die nächsten Termine sind bereits geplant…

Wenn Ihr also nachts auf einer einsamen Straße ein kleines rotes Licht einer Kopflampe neben einem Stativ seht, fahrt langsam, damit ich nicht von der Straße in den Graben springen muß.

Gerhard Tegeler

 

 

 

© Text und Fotos: Gerhard Tegeler

 

 

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2 Kommentare zu Sterne fotografieren über OWL??

  1. Hans Engelbrecht sagt:

    Das ist ein schöner Beitrag und es sind sehr schöne Fotos geworden. Ich bin auf die nächsten Aufnahmen gespannt

  2. Danke für den interessanten Artikel!

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